Sudetendeutsche Hütten

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Neu-Gersdorfer Hütte

(Rifugio Vetta d'Italia) 2567 m

   Sektion Warnsdorf

Neugersdorfer Hütte 2014
Neugersdorfer Hütte                                       Foto: Th. Most 2014
In der ordentlichen Hauptversammlung der S. Warnsdorf am 31. Jänner 1903 gab die Neugersdorfer Gruppe der Sektionsmitglieder die Zusicherung für den Bau einer Gersdorferhütte samt Zubehör auf der Südseite des Krimmler Tauernkammes einen Betrag von M.  5000.-, eventuell M. 6000.- aufbringen zu wollen. (Mitt. DuÖAV)

Daraufhin beschloss die Sektion die weitere bauliche Erschließung des erwähnten Gebietes auf ihr Arbeitsprogramm zu stellen. An der Kreuzung des Weges mit dem Krimmler Tauernübergang, kam es vermehrt zu Unfällen durch plötzlichen Wetterwechsel, daher war hier ein weiterer Hüttenbau dringend nötig geworden.

1904 wurde ein Pachtvertrag über den erforderlichen Baugrund unterschrieben und ein Jahr später die
Bauausführung an den Unternehmer Johann Eppacher aus St. Johann im Ahrntal übertragen. Ende 1906 war das Dach fertig und gegen Ende Juli d. J. 1907 soll die Bewirtschaftung beginnen.

Außer den nötigen Wirtschaftsräumen besitzt das masiv gebaute Haus 6 Schlafzimmer mit 10 Betten, einen allgemeinen Touristenschlafraum mit 9 und einen Führerraum mit 8 Matratzen.
Über die Eröffnungsfeier der Hütte wird in den Mitteilungen des DuÖAV 1907 überschwenglich berichtet:

Neu-Gersdorfer Hütte Bauplan
Schon am Vorabend, dem 13. August war das neue Haus mit Gästen bis auf den letzten Platz gefüllt und allenthalben wurde empfunden, wie behaglich der Aufenthalt in der schmucken, innen durchweg vertäfelten Hütte sich gestaltet.

Der folgende Tag, der 14. August, bescherte ein herrliches Festwetter: tiefblauen Himmel, Wärme und strahlenden Sonnenschein...... Bereits von 9 U. an verkündeten Böllerschüsse in immer rascherer Folge das Eintreffen neuer Festgäste; von allen Seiten: von der Prettau, von der Birnlücken und Warnsdorfer Hütte, von Krimml und der Richter Hütte zogen sie heran.

Der Vorsitzende der S. Warnsdorf Garngroßkaufmann  Friedrich Ernst Berger konnte zu Beginn der Feierlichkeiten um 12 Uhr 130 Gäste begrüßen.

Zimmermeister Johann Eppacher bekundete als Baudurchführer der Hütte deren Fertigstellung und überreichte den Hüttenschlüssel, den der Hüttenwart Herr Fabriksbesitzer Erno Hoffmann, Neu-Gersdorf, entgegennahm. Hierauf überbrachte der II. Präsident des Zentral-Ausschusses des D. u. Ö. Alpenvereins, Herr Justizrat Schuster-München, die Glückwünsche des Gesamtvereins und Worte wärmster Anerkennung für die S. Warnsdorf.

Es folgten Glückwünsche des Bürgermeisters von Neu-Gersdorf Reselmüller, Prof. Dr. Kellerbauer-Chemnitz, Obmann der S. Chemnitz, des Herrn Regierungsrats Stöckl, stellvertretender Vorsitzender des Salzburger Landesverbands für Fremdenverkehr, des Herrn Christian Friedrich, Hüttenwart der S. Landshut, und des Herrn Simon Geissler, Bürgermeister von Krimml.

Neu-Gersdorfer Hütte Aufstieg
Steiler Aufstieg über Blöcke                                   Foto: Th. Most
 Die Neu-Gersdorfer Hütte ist Unfall-Meldestelle des D. u. Ö. Alpenvereins, und erhält Ende August 1911 eine Staatstelephonstelle. Sie steht somit in Verbindung mit der bis Bruneck reichenden Ahrntaler Linie und vermittelt alljährlich während der Zeit des Hüttenbetriebs auch die Annahme und Abgabe von Telegrammen.

Bis 1919 war die Hütte bewirtschaftet, nachdem Südtirol infolge des Vertrags von Saint-Germain Italien zugesprochen wurde, duldete man die Alpenvereinsarbeit und ihre Hütten zunächst. Da aber mit dem Aufkommen des Faschismus in Italien in den 1920er Jahren die deutschsprachige Bevölkerung und deren Kulturgut verdrängt werden sollte, wurde die Hütte enteignet und als Zollhaus genutzt.
 
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Hütte geplündert und verfiel, bis sie 1984, umfassend saniert, von den italienischen Zollbehörden wieder genutzt wurde, um der regen Schmuggelwirtschaft begegnen zu können.  Obwohl die  Grenzen offen sind, hält die Zollbehörde die Hütte weiterhin besetzt und nutzt sie widerrechtlich als Urlaubsdomizil, obwohl die Autonome Provinz Bozen-Südtirol seit 2011 rechtmäßiger Besitzer ist. Bei meinem Besuch im August 2014 durfte ich das Haus nur von außen ansehen, auch nur ein kleiner Blick nach Innen wurde mir verweigert mit der Begründung, es handele sich um eine Kaserne. In der "Südtiroler Freiheit" v. 25.09.2013 wird darüber berichtet.

Panorama
Ganz rechts in den Wolken die Rötspitze 3495 m 
                                                                                               Foto: Th. Most 2014

 

 

 

 

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