Sudetendeutsche Hütten

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Glorer Hütte

2642 m

            Sektion Teplitz

            Die Erbauer der Glorerhütte
            Auf dem Foto in der Gaststube sind die Erbauer der Glorer Hütte festgehalten:                                          Foto: Th. Most
            (v.l. in der hinteren Reihe mit rotem Punkt) Veit Oberlohr, Paul Schnell und Sebast Huter



Glorer Hütte ca 1900       Glorer Hütte ca 1900                            Foto: Heinrich Schildknecht
Auf den ersten Blick erlaubt der Hüttenname keinen Rückschluss auf sudetendeutsche Einflüsse. Gebaut wurde sie 1887/88 von dem Führer Paul Schnell, seinem Nachbarn Sebastian Huter und Veit Oberlohr, alle drei aus Glor einem Ortsteil von Kals am Großglockner. Die Anregung zum Bau dieser Hütte kam von Johann Stüdl, Gründungsmitglied des Deutschen Alpenvereins und 50 Jahre Obmann der Sektion Prag des DAV. Ca.35 Jahre blieb die Glorer Hütte unverändert. Sie war 55 m² groß und entsprach allen Anforderungen der Schutzhüttenverordnung Stüdls. 1924 kaufte die S. Donauland vom Bergführerverein, dem bisherigen Besitzer die Hütte und vergrößerte sie. 1925 wurde ein Saumweg zur Hütte genehmigt, 1932 wurde die Hütte ein weiteres Mal vergrößert.

(Die Sektion Donauland gründete sich, nachdem die S. Austria dem Apartheidantrag zustimmte:
" Mitglieder der Sektion Austria können nur Deutsche, somit nur Arier werden".
Daraufhin wurde im gleichen Jahr die neue Sektion Donauland gegründet, in der sich viele ausgeschlossene Bergsteiger sammelten. Im Dezember 1924 wurde die S. Donauland aus dem DÖAV ausgeschlossen, worauf sie 1925 von ihren Mitgliedern in den "Alpenverein Donauland" umgewandelt wurde.)

Mit dem Anschluss Österreichs an Deutschland 1938 wurde die Sektion entgeignet, die Hütte fiel dem DAV zu ( DuÖAV wurde aufgelöst, es gab nur noch den DAV) 1940 verkaufte der DAV die Hütte an die S. Teplitz, jetzt hieß sie " Teplitzer Hütte". 1952 erfolgte die Rückgabe der Hütte an den wiedergegründeten AV Donauland. Die Teplitzer-Hütte wird wieder zur Glorer Hütte.

In den 60-ger Jahren wird Toni Amraser Hüttenpächter und bleibt es bis 1979. Bis zum Bau der Seilbahn belieferte er die Hütte mit einem Maulesel. 1967 beschloss der AV Donauland sich aufzulösen und seinen Besitz zu verkaufen. Am 6. Februar 1968 erwarb die S. Eichstätt die Hütte für 40.000.- DM, baute eine Wasserleitung und einen Hochbehälter und feierte die Übernahme vom 27. bis 30. Juli.
1970 kam die Materialseilbahn dazu, die am 4. September 1971 eingeweiht wurde. 1976 erfolgten der Umbau der Toilettenanlagen und der Bau einer Drei-Kammer-Klärgrube.
 
Berger Törl
Berger Törl
Die Glorer Hütte am Berger Törl , an der Grenze zwischen Glockner- und Schobergruppe
 
1980 übernimmt Michael Holzer, Bergführer in Lesach, mit seiner Frau die Hütte. Noch im gleichen Jahr stürzt er bei der Bergfahrt mit der Seilbahn ab, und stirbt an seinen Verletzungen. Elfi und Andreas Leitner werden die Nachfolger, und bleiben bis 1989. 1982 wird wieder umfangreich gebaut, die Hütte wird um einen Anbau erweitert und saniert, die Außenwände verschindelt. 1983 kommt der zweite Bauabschnitt dazu, am 23./ 24. September 1984 kann der Anbau eingeweiht werden. Die Hütte hat jetzt 56 Lager, davon 15 Betten und 41 Matratzenlager. Nun muss noch der Altbau saniert werden, 1986 wird damit begonnen, am 18. Juli 1987 war Schlusssteinlegung. Noch während der Sanierung wird vom 1. bis 3. Mai 1987 100 Jahre Glorer Hütte gefeiert. Christian und Claudia Oberlohr übernehmen die Hüttenpacht bis 2005. 1993, während der Feierlichkeiten zu 25 Jahre Glorer Hütte im Eigentum der S. Eichstätt wird das Blockheizwerk mit Solarunterstützung eingeweiht. Eine Reparatur des Daches steht 1998 an, 2000 wird das Tragseil der Materialbahn ersetzt, 2003 wird eine Stütze versetzt und 2009 wird eine neue Fluchttreppe gebaut.

Anbau 1982/1984
Stub'n
Der linke Flügel, der Erweiterungsbau 1982/84                                         In der gemütlichen Stube

Seit 2006 bewirtschaftet der Bergführer Toni Riepler aus Unterpeischlach die Hütte und erweitert die Öffnungszeiten an schönen Wochenenden auch im Winter für Skitourengeher, 2011 beendet er seine Tätigkeit, da die Hütte geschlossen wurde. Wegen Unstimmigkeiten im Vorstand der Sektion verzögern sich die notwendigen Baumaßnahmen zur Erfüllung der behördlichen Vorschriften, die Hütte wird im September 2011 auf behördliche Anordnung hin geschlossen.

Nachdem eine Rohrleitung für das Abwasser bis ins Tal verlegt wurde, zugleich mit einem Kabel für die Stromversorgung, konnte die Hütte Ende Juni 2012 wieder geöffnet werden.
 
Johann-Stüdl-Weg
Der Steig von der Hütte nach links ist der Anfang
(oder das Ende) vom Johann-Stüdl-Weg zur (oder von der) Stüdlhütte in der Fanatscharte am Großglockner
HüttenschildFotos: Th. Most 2014

Für den Bericht wurden Passagen aus der Kalser Chronik von Sepp Haidenberger verwendet

 

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