Sudetendeutsche Hütten

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Hofmannshütte

2444 m

     Sektion Prag

Hofmannshütte_1890Hofmannshütte ca 1890
ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv
Am 8. August 1832 stieg Erzherzog Johann mit größerer Begleitung von Heiligenblut durch das Mölltal aufwärts, um einen Übergang nach Kaprun zu finden. Am Abend versuchte die ganze Gesellschaft in einem winzigen "Ochsenhüttl" unter einem Felsen, vermutlich der von Salm i. J. 1800 gebaute weitgehend verfallene Unterstand, Nachtquartier zu finden. Eingedenk des Erlebnisses in der Gamsgrube ließ er darauf eine bequeme Hütte errichten, die er bei seiner zweiten Glocknertour zwei Jahre später selbst benüzte.
Die kleine, nur aus einem Raum bestehende, niedrige und feuchte Hütte diente in den folgenden Jahren zahlreichen Erkundungen und Besteigungen; nach ihrem Stifter trug sie zunächst den namen "Johannishütte". Da Erzherzog Johann über den Erhalt der Hütte keine Verfügung getroffen hatte, verfiel sie in den folgenden Jahren.

Durch die Zunahme des Glocknertourismus und der Erkundung neuer Aufstiegsrouten bekam die Johannishütte eine immer größere Bedeutung. Im Jahre 1869, im Anschluss an die festleiche Eröffnung und Begehung des von Kalser Führern mit Unterstützung Stüdls versicherten Steiges über den Stüdlgrat, unternahm nun Karl Hofmann erstmals den Abstieg von der Adlersruhe über den heute seinen Namen tragenden Hofmannsgletscher zur Pasterze. Ohne Schwierigkeiten setzte er seinen Weg über die Franz-Josefs-Höhe fort. In seiner Beschreibung verweist er auf die Möglichkeit dieser Route als direkten Zugang aus dem Kapruner Tal und erwähnte das Vorhaben, zur Erleichterung solcher Touren die verfallene Johannishütte zu renovieren. Ohne Dach, Türen und Fenster sowie ohne Einrichtung war die Hütte unbrauchbar für Übernachtungen. Hofmann und Stüdl beschlossen daher im Jahre 1869 die Hütte auf eigene Kosten wiederherstellen und einrichten zu lassen. - Arbeiten, die im Jahre 1870 von Heiligenbluter Führern unter Aufsicht des Pfarrers Vawra erbracht wurden. Nach dem Tode Hofmanns auf dem Schlachtfeld vor Sedan 1870 wurde die Hütte auf Antrag des Pfarrers und der Führer aus Heiligenblut in der Generalversammlung des deutschen Alpenvereins 1871 in Salzburg als "Hofmannshütte" umbenannt.
Zur Erhaltung und Beaufsichtigung der Hütte wurde der dafür geründete Heiligenbluter Führerverein verpflichtet. Außerdem wurde bei der S. Prag ein Erhaltungsfond deponiert.


Hofmannshütte ca 1930Hofmannshütte mit Großglockner ca 1930
aus "150 Jahre Hofmannshütte"
Im Jahre 1887 nahm die Sektion Prag eine gründliche Renovierung vor. Johannes Emmer beschreibt 1894 die Hütte in seiner "Geschichte des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins" (ZdDuÖAV 1894 Seite 321): "Die Hütte 2438 m, steht auf dem Herrn v. Aichenegg gehörigen Grunde, ist aus Stein erbaut, enthält einen Raum mit Herd und 7 Matratzenlagern, unter dem Dache 7 Lagerstätten. Die Kosten der Neuherstellungen betrugen 1280 fl. (aus Privatmitteln)."

AIs kleine, unbewirtschaftete Unterkunft stellte sich die Hütte auch noch dar, als es 1910 zur Schenkung an die Akademische Sektion Wien (ASW) kam, die von Stüdl und der damals noch in München lebenden Mutter Hofmanns als Eigentümer vorgenommen wurde.
Die Hütte sollte für alle Zeit ihren Namen beibehalten und in ihrer bisherigen Größe bestehen bleiben. Der Name besteht heute noch, die Größe wurde aber im Laufe der Jahre der Nutzung angepasst.

Über die folgenden Jahre gibt es keinerlei Aufzeichnungen, die Hütte war ohne Aufsicht, und wurde immer wieder aufgebrochen und ausgeraubt.
Seit der Währungsreform 1924 nahm der Touristenstrom wieder ständig zu, der Zustand der Hütte mit nur einem Raum, der gleichzeitig als Küche, Speiseraum, Schlafraum und Bewirtschafterwohnung dienen mußte, wurde schnell unzumutbar.

 
Nach der Erbauung der "Akademikerhütte" in Saalbach-Hinterglemm 1925, die durch Schifahrer gut ausgelastet war, waren wieder Mittel vorhanden für den Ausbau der Hofmannshütte, der 1926 begonnen wurde und 1928 abgeschlossen werden konnte. Es standen nun 60 Schlafplätze und ein eigener Pächter-Raum zur Verfügung, so dass die Hütte jetzt auch bewirtschaftet werden konnte. 1931 wurde eine neue Wasserleitung verlegt. Die Bewirtschaftung wurde bis 1935 überwiegend von Vereinsmitgliedern übernommen.

Gamsgrubenweg zur Hofmannshütte
Der neue Gamsgrubenweg von der "Kaiser-Franz-Josef-Höhe" zur Hofmannshütte und weiter zur Oberwalderhütte
Foto: Th.Most

Die im Jahre 1933 verhängte "1000-Mark-Sperre" im Reiseverkehr mit Deutschland brachte auch für die Hofmannshütte einen empfindlichen Besucherrückgang.
Durch den Bau der Glocknerstraße und das Wiedereinsetzen des Touristenstromes aus Deutschland erwies sich der Fassungsraum der Hütte wiederum als viel zu klein, so dass neuerlich Ausbaupläne diskutiert werden mussten. In der Vollversammlung am 25.6.1937 wurde der Bau eines neuen, größeren Schutzhause in der Gamsgrube beschlossen; der Kriegsausbruch vereitelte aber dieses Vorhaben.
Nach den Kriegswirren konnte 1947 der Betrieb wieder notdürftig aufgenommen werden. Die umliegenden Bergunterkünfte standen nur beschränkt zur Verfügung, der Ansturm auf die Hütte war daher beängstigend. Die Hütte wurde erweitert auf 108 Personen (47 Betten und 61 Lager), außerdem wurde eine neue Wasserleitung gelegt. Im Sommer 1953 fand die feierliche Eröffnung des Zubaues statt.Die Arbeiten und Investitionen an der Hütte nahmen kein Ende:
Hofmannshütte mit Großglockner
Nach den 6 Tunnel des Gamsgrubenwegs: Die Hofmannshütte, gegenüber der Großglockner           Foto: Th.Most
1956 wurde ein Generator aufgstellt, 1958 wurde das Dach nach einem Unwetter erneuert, 1963 eine weitere Dachreparatur. 1967 ein Gutachten: die Hütte ist abbruchreif. Ein Abbruch kam nicht in Frage, statt dessen, ein etappenweiser Umbau der 1969 in Angriff genommen wurde, und 1982 abgeschlossen wurde.

1984 konnte man die 150- Jahrfeier begehen, in dem Glauben, nach 13 Jahren Bautätigkeit für Jahrzehnete saniert zu haben. Jetzt kamen behördliche Auflagen, wie sie für Tallagen gelten.

Das Wasser- und Fäkalienentsorgungssystem mussten erneuert werden. Ab 1991 wurde mit großem Aufwand in 2- jähriger Bauzeit eine, dem damaligen Stand der Technik entsprechende Anlage eingebaut. Bedingt durch technische Mängel und klimatische Schwierigkeiten funltionierte diese Anlage jedoch bald nicht mehr.

Das Schlimmste kam noch. Im Juli 1999 wurde der Gamsgrubenweg, der einzige Versorgungsweg zur Hütte, wegen massiver Steinschlaggefahr behördlich gesperrt. Der Hüttenbetrieb musste eingestellt werden. Bis 2003 zog sich der Wegebau hin, es wurden an den gefährdeten Stellen Tunnel in den Fels gesprengt. Vier Jahre war die Hütte geschlossen, sie wurde daher auch nicht durchlüftet, wodurch Feuchtigkeit und Schimmelbildung am Gebäude eine Wiedereröffnung nicht zuließ.

Die Hütte ist bis heute (März 2013) geschlossen, einerseits will man den außerordentlich schönen Aussichtsplatz erhalten, andererseits wird die Abrissgenehmigung verweigert. 


Die Pasterze
Als Nachtrag für interessierte Leser hier ein Dokumentarfilm
in zwei Teilen von dem Institut für Geographie der Universität Graz
über die Gletschermessungen an der Pasterze.

           
  Teil1              Teil 2 

Hier noch ein paar ergänzende Bilder von meinem Besuch am 26.09.2011
Zum Vergrößern auf ein Bild klicken, dann mit den Pfeilen navigieren

   
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hofmann_15 hofmann_16 hofmann_17 hofmann_18 hofmann_19   Ein Dankeschön an die Akademische Sektion Wien (ASW), die mir freundlicherweise ihre Festschrift
"150 Jahre Hofmannshütte"
für die Bearbeitung dieser Seite zur Verfügung gestellt hat.
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