Sudetendeutsche Hütten

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    Neugablonz-Enns

Gablonzer Hütte

 1550 m


Hier fehlen noch Bilder, in den 90er Jahren war ich zwar 5mal auf der Hütte, habe aber keine Fotos gemacht, das hole ich 2017 nach.

Gablonzer Hütte
Foto: Dr. P. Becher
Auch in Gablonz kam Ende des 19. Jahrhunderts der Wunsch nach einer eigenen Sektion auf, auch hier gab es Geschäftsleute, die es sich leisten konnten, Bergtouren in die Alpen zu unternehmen. So wurde die Sektion Gablonz als 289. Sektion am 1. Juli 1903 in den DuÖAV aufgenommen. Schon in den Anfangsjahren wurden viele Bergtouren durchgeführt und Vorträge zum Thema „Berg“ gehalten.

Vorausschauend legte man 1905 einen Hüttenbaufond auf, ohne zunächst ernsthaft dem Erwerb einer Hütte näherzutreten. Erst in den 20er Jahren fing man intensiv an sich um eine vereinseigene Hütte zu kümmern. Bevorzugt suchte man im Gosaugebiet an der Zwieselalm. Lange blieb die Suche erfolglos, da stieß man auf ein Projekt, das von Matthias Höhenegger, einem Zimmerman aus Gosau im Dachsteingebiet in den Jahren 1929/30 erstellt wurde. Da ihm die Geldmittel ausgingen, meldete er im Juli 1932 gerichtlichen Ausgleich an, das angefangene Schutzhaus konnte er nicht mehr fertigstellen. Im Oktober 1932 beschloss die Sektion in einer außerordentlichen Hauptversammlung den Kauf und den

Ausbau des halbfertigen Schutzhauses. Der Kaufvertrag wurde am 26. Mai 1933 abgeschlossen, die Ausbauarbeiten wurden an die Firmen Wilhelm Putz in Goisern und Hans Brandl & Söhne in Bad Ischl vergeben. Planverfasser und Bauleiter war Architekt Ernst Prade aus Bad Schlag im Isergebirge. Am 14. Oktober konnte der Verein die Hütte übernehmen.
Sie wurde in Blockbauweise erstellt, das Kellergeschoß war massiv ausgemauert. Das Dach war gegen Gosau mit Eternit, sonst mit Fichtenschindeln gedeckt. Das Haus umfasste zwölf Fremdenzimmer mit ein oder zwei Betten, zwei geräumige Matratzenlager, ausgerüstet mit dreiteiligen Afrikmatratzen, eine sehr große Gaststube und alle nötigen Wirtschaftsräume. Zur Ausstattung gehörten 150 Wolldecken, davon 108 mit eingewebter Schrift: D.A.V. Gablonz a. N. und Gablonzer Hütte. Eine Quelle diente der Wasserversorgung, das Wasser wurde in Rohren bis nahe an die Hütte geführt. Lediglich Küche, Gastzimmer und ein Zimmer im 1. Stock konnten mit Holzfeuerung beheizt werden. Die Beleuchtung erfolgte durch Petroleumlampen.

Am 1. Juli 1934 wurde die Gablonzer Hütte „Dachsteinblick“ feierlich eröffnet. Herr Katechet Wenzel Stadlmann aus Gablonz zelebrierte die Feldmesse. Nach dem zweiten Weltkrieg und der Vertreibung der deutschen Bevölkerung setzte sich der Sektionsvorsitzende des AV Vöcklabruck Schulrat Holinetz für die Erhaltung der Hütte ein. (Die Hütte war beschagnahmt durch die amerikanische Militärregierung.) Zunächst kümmerte er sich um den Zustand der Hütte, die nahezu ausgeplündert und stark beschädigt war. Am 1. Juli 1947 übernahm das Eherpaar Mayerhofer die Hütte in Pacht, und brachte die größten Schäden in Ordung.

Die ehemaligen Mitglieder der Sektion Gablonz gründeten in Österreich (Neugablonz-Enns) und in Deutschland (Kaufbeuren) neue Sektionen um die Hütte in eigene Verwaltung übernehmen zu können. Durch eine Spendenaktion war es möglich, weitere dringende Reparaturen durchzuführen, um den Besuchern einen angenehmen Aufenthalt zu bieten. Baumaterial und Verpflegung wurden durch einen Träger mit seinem Muli und seinem Pferd transportiert. Die Besuchszahlen steigerten sich, 1955 kamen 3051 Tagesbesucher, 1873 Nächtigungen konnten verzeichnet werden.

Inzwischen zeichnete sich auch eine Regelung über die Eigentumsverhältnisse der Hütte ab. Man einigte sich mit der Sektion in Kaufbeuren zu einem Gegenseitigkeitsvertrag, sodass der Verwaltungsausschuss in Insbruck den Übergabevertrag am 31. Okt 1958 an beide Sektionen aushändigen konnte. Nun waren beide Sektionen je zur Hälfte Besitzer und Verwalter der Hütte. Als dringendes Projekt wurde eine Marerialseilbahn in Angriff genommen, im September 1959 konnte sie in Betrieb gehen. Gleich anschließend wurde es hell in der Hütte, 1960 kam elektisches Licht.

Eine große Herausforderung kam auf die beiden Eigentümer zu, als 1967 bekannt wurde, dass die Dachstein AG eine Personenseilbahn und Skilifte projektierte. Die Hütte musste erheblich vergrößert werden, um die zu erwartenden Besucher aufnehmen zu können. Ausbaupläne wurden erstellt und zur Genehmigung eingereicht, ein Kredit musste beantragt werden und die Sektionsmitglieder mussten zur Mitarbeit animiert werden. Viele Helfer verbrachten ihren Urlaub mit Bauarbeiten auf der Hütte. Mit ihnen und dem Maurerteam der Fa. Ing. Stecker gelang es, den Rohbau im Herbst fertigzustellen. Im Frühjahr 1968 übernahmen Ennser Fachfirmen den Innenausbau.

Die Einweihung der Erweiterung wurde gemeinsam mit der „Gosaukammbahn“ am 6. Juli 1968 gefeiert. Unter den Ehrengästen waren Bundespräsident Franz Jonas und Landeshauptmann Dr. Heinrich Gleißner. In späteren Jahren musste eine Kläranlage und ein Fettabscheider gebaut werden, die Wasserversorgungsanlage saniert werden, ein Abwasserkanal ins Tal erstellt werden und eine weitere Quelle erschlossen werden. Ab den Jahren 1991/92 gab es einen weiteren Ausbau: die Schlafräume wurden vergrößert, ein Jugendraum und eine Terasse wurden errichtet, die Heizungsanlage wurde umgebaut und die Küche musste saniert werden.

Der größte Teil der Arbeiten wurde von der Sektion in Enns getragen, vor allem wurden die meisten Kredite wegen der Lage der Hütte von österreichischen Banken übernommen, so lag es nahe für die deutsche Sektion ihr Anteil zu verkaufen. Außerdem wurden die Besuche der bayerischen Sektion auf die Gablonzer Hütte rar, drei bis vier Stunden Anfahrt konnten mit der Anfahrt in die allgäuer Alpen nicht mithalten. Der festliche Akt der Übernahme des 50% Anteiles der Hütte durch die Sektion Neugablonz-Enns wurde am 26. September 2004 anlässlich des 70-jährigen Hüttenjubiläums auf der Gablonzer Hütte gefeiert.

 

Für die Gestaltung des Textes halfen mir Beiträge:
in den Onleineauftritten der beiden Sektionen
in den Mitteilungen des DuÖAV
in Wikipedia
in al online
von Richard Jäkel



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